Der Publishing-Dreiklang

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Der Publishing-Dreiklang

Alle reden vom Ende der Printmedien. Dabei starten einige jetzt erst so richtig durch. Drei Fragen für den Erfolg im Lesermarkt, die sich jeder stellen sollte.

Gibt es für Printmedien auch im Internetzeitalter noch einen Markt? Sind Leser auch heute noch dazu bereit ihr Geld in Zeitschriften zu investieren? Um es kurz zu machen: Ja. Vorausgesetzt die Publikation befriedigt die Bedürfnisse des Lesers. Hier unterliegen Zeitschriften ebenso wie auch andere Produkte den grundlegenden Mechanismen des Marktes.

Was aber treibt die Leser so unterschiedlicher Zeitschriftengruppen wie Wirtschaftsmagazinen, Frauen-, Auto- oder Computerzeitschriften an? Auf was legen sie Wert? Was veranlasst sie zum Kauf ihrer Zeitschrift? Verleger, die diese Fragen erfolgreich für sich beantworten können, sind dem Erfolg im hart umkämpften Zeitschriftenmarkt ein ganzes Stück näher.

Was Leser wollen

Erfolgreiche Zeitschriften müssen sich vor allem im Lesermarkt behaupten können. Denn gute Inhalte honorieren die Leser mit ihrem Geld und ihrer Aufmerksamkeit. Letzteres ist der Garant für ein funktionierendes Anzeigengeschäft. Was aber garantiert den Erfolg beim Leser?

Drei Fragen, die sich Verleger und Chefredakteure stellen sollten:

1. Die Frage nach dem Nutzwert:
Erhält der Leser nützliche und exklusive Informationen, die in privat oder beruflich voranbringen?

2. Die Frage nach der Identität:
Kann der Leser sich durch den Kauf der Zeitschrift mit einer bestimmten Gruppe bzw. Denkweise identifizieren?

3. Die Frage nach dem Stil:
Erfreut sich der Leser an der Aufbereitung der redaktionellen Inhalte? Genießt er das Lesen der Texte bzw. das Betrachten der Bildstrecken?

Bei all diesen Fragen handelt es sich – ähnlich wie bei der Bedürfnispyramide nach Maslow – um Fragen nach grundlegenden Bedürfnissen, die Konsumenten zum Kauf einer Zeitschrift bewegen. Die Bedürfnisse bauen jedoch nicht aufeinander auf. Vielmehr ergänzen sie sich gegenseitig. Aber der Reihe nach.

Dem Leser geben, was er braucht

Das Leserbedürfnis nach nutzwertigen Informationen ist sicherlich am einfachsten zu beschreiben. Zahlreiche Fachpublikationen wie z. B. die Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Meiningers Weinwelt, Dega Galabau oder das Arznei-Telegramm basieren darauf. Sie alle befriedigen ein exklusives Informationsbedürfnis – in der Regel mit klarem Bezug zu einer bestimmten Branche – welches von anderen Medien nicht abgedeckt wird. Zudem enthalten sie wertvolle Insights zu berufsrelevanten Themen wie Branchenpersonalien, Produktneueinführungen, Fallbeispielen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Aber auch Titel aus dem Special-Interest-Segment der Publikumszeitschriften wie Auto Motor und Sport, Mountainbike, C’T oder – das Paradebeispiel an Nutzwert – Stiftung Warentest seien hier erwähnt. Diese wenden sich oftmals an ein breiteres Publikum aus privaten und beruflichen Verbrauchern, die ein ganz konkretes Informationsbedürfnis haben, welches sie anderweitig nicht befriedigen können.

Dem Leser geben, woran er glaubt

Abstrakter wird es bei der Frage, nach den identitätsstiftenden Merkmalen einer Publikation. Hier lohnt sich ein Blick auf andere Produktbereiche. So zeigt sich die Kaste der erfolgreichen Manager gerne mit der Rolex am Handgelenk. Neureiche Damen kokettieren mit ihrer Prada-Tasche am Arm. Aber auch andere Gesellschaftsgruppen wie Fußballer (adidas), Skinheads und Punks (DocMartens), Grafikdesigner (Apple) oder Ökos (Birkenstock) grenzen sich über bestimmte Markenprodukte vom Rest der Welt ab.

Printmedien können ebenso identitätsstiftend sein – im positiven, wie auch negativen Sinne. Die TAZ oder Der Freitag stehen für linkes Gedankengut. Die junge Freiheit und Compact sind dem rechten Spektrum zuzuordnen. Wer sich mit dem Economist unterm Arm zeigt signalisiert, dass er ein Anhänger des Liberalismus ist. Die Abonnenten der Bikers News sehen sich als rebellische Motorradfetischisten.

Schafft es eine Zeitschrift zum Sprachrohr einer gesellschaftlichen Gruppierung zu werden – egal ob es sich um eine politische Weltsicht, ein Hobby oder einen Beruf handelt – ist ihr eine treue Kernleserschaft sicher.

Dem Leser geben, was er liebt

Bleibt noch der Blick auf den redaktionellen Stil einer Zeitschrift. Über Stil bzw. Geschmack kann man bekanntlich streiten. Den redaktionellen Stil zu finden, der dem Leser gefällt ist entsprechend schwierig. Dennoch zahlt sich auch hier gutes Handwerk aus.

So ist unbestreitbar, dass ein Textchef, der für verständliche Formulierungen und guten Schreibstil in der Redaktion sorgt, die Qualität eines Mediums – und damit auch die Attraktivität für den Leser – nachhaltig verbessern kann. Auch gibt es (kleinere) Redaktionen, in denen es Usus ist, dass jeder Beitrag von jedem Redakteur Korrektur gelesen wird. Das Ergebnis sind saubere, leicht verständliche Texte, die einen ganz eigenen Stil mit sich bringen, wie es z. B. bei brandeins, Reportagen oder auch im Spiegel der Fall ist.

Die drei Erfolgsfaktoren im Publishing

Um es kurz zu machen: Wer es schafft, die drei Fragen nach dem Nutzwert, der Identität und dem Stil eine Zeitschrift erfolgreich für sich zu beantworten, der hat gute Aussichten auf Erfolg im Zeitschriftenmarkt. Heute mehr, als je zuvor.

2019-01-24T12:32:23+00:00 2019/01/24|Allgemein, Medien|0 Comments

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