Nein? Dann wird es aber Zeit! Denn iPad Apps liegen zur Zeit voll im Trend. Selbst Springer-Chef Matthias Döpfner hat seinem Glauben abgeschworen und betet nun Steve Jobs als Retter der Verlagsbranche an. Viel gebracht hat es nicht – am allerwenigsten für Steve Jobs. Aber der Reihe nach.

Rettung der Verlage

Zugegeben – es gab schon bessere Zeiten in der Verlagsbranche. Die Werbeerlöse sinken und mit Ihnen die Auflage. Ob das am veränderten Leseverhalten liegt oder an der fehlenden Quersubventionierung durch die Anzeigenumsätze sei einmal dahin gestellt. Fest steht: die Verlage müssen sparen oder neue Erlösquellen auftun. Da kommt so ein iPad gerade recht. Es hebt, so sagt man, die Grenze zwischen Analog- und Digital-Lesern auf und bietet den Verlagen Zugang zu neuen Zielgruppenpotenzialen. Und vor allem: es weckt erneut die Hoffnung über Paid Content Modelle Geld im Internet verdienen zu können.

Sind 2 Mio. iPad-Besitzer ein attraktives Zielgruppenpotenzial?

iPads sind überall. In der Medienbranche hat fast jeder eins. Selbst im Bundestag wurden sie offiziell zugelassen. Als Verlagsmanager hat man praktisch keine andere Wahl: für jeden Print-Titel muss eine iPad App her. Aber macht das auch Sinn? Schauen wir uns ein paar Zahlen an:

Laut der aktuellen Allensbacher Computer- und Technik-Analyse 2011 (ACTA 2011) sind in Deutschland 1,15 Mio. Personen im Alter zwischen 14 und 64 Jahren im Besitz eines iPads. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von rund 2 Prozent. Der prognostizierte Bestand an iPads in Deutschland beträgt 2 Mio. Exemplare für 2012 (Quelle: EARSandEYES).


Die Probe aufs Exempel

Nehmen wir den Spiegel. Als Nachrichten-generalist richtet er sich an eine breite Zielgruppe. Jeder der des Lesens mächtig ist, kann den Spiegel kaufen und konsumieren. Das Ergebnis: Mit seiner Auflage von rund 1. Mio. Exemplaren gehört der Spiegel zu den größten frei erhältlichen Zeitschriften in Deutschland. Vergleicht man die Auflage des Spiegel mit der Gesamtbevölkerung (laut Media-Analyse 2011 = 70 Mio.), dann liegt die Umwandlungsquote bei 1,4 Prozent.

Schauen wir uns nun das Potenzial Spiegel iPad ePaper App an. Hier liegt das maximale Zielgruppenpotenzial aktuell bei den rund 2 Mio. prognostizierten iPad Besitzern in Deutschland. Bezieht man die Ergebnisse der Print-Ausgabe auf die iPad Ausgabe, dann kommen wir mit einer Umwandlungsquote von 2% auf ca. 28.000 potenzielle Käufer. Aktuell kommt die Spiegel iPad Ausgabe auf ca. 17.000 Personen, davon sind 2.500 voll bezahlt (Quelle: Spiegel Verlag).

Über den Analyseansatz kann man streiten. Eins aber ist sicher. Wie ein neues Geschäftsmodell sieht das nicht aus. Zumindest jetzt noch nicht.

Lesen am Bildschirm – ein Papierersatz?

Unabhängig von den Zielgruppenpotenzialen gilt es noch einen weiteren Aspekt zu berücksichtigen. Ist das Lesen am Bildschirm tatsächlich ein adäquater Ersatz für das Lesen auf Papier? Ein Experiment der University of Oregon hat ergeben, dass Zeitungsleser sich doppelt so viele News merken können wie Online-Leser (http://printinthemix.com/Research/Show/90). Auf ein ähnliches Ergebnis kam die Nielsen Norman Group (http://www.sueddeutsche.de/kultur/lesen-am-bildschirm-der-freie-fall-der-seh-linie-1.705601). Zudem ist Lesen am Bildschirm grundsätzlich anstrengender als auf dem Papier. Ob sich langfristig digitales Lesen gegen analoges Lesen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Auf den Punkt gebracht.

Das Potenzial für den Verkauf von iPad Magazin Apps ist extrem gering. Die Antwort auf die Frage, ob digitales Lesen ein adäquater Ersatz für analoges Lesen ist, steht nach wie vor aus und die Bereitschaft der Leser Geld für Magazin Apps zu zahlen, obwohl die meisten Online-Inhalte nach wie vor kostenlos zur Verfügung stehen ist fraglich. Und was passiert, wenn sich Apple mit seinen iPads dann doch nicht am Tablet Markt durchsetzen kann? Die Zeit wird es zeigen. Aktuell jedoch stehen Investitionen in iPad ePaper Apps noch auf sehr wackligem Boden.